Alfred Jokesch

Wenn es einem die Sprache verschlägt

 

Gotteserfahrungen und mystische Erlebnisse sind kaum mitteilbar. Da verbinden sich Sinneseindrücke mit inneren Empfindungen und starken Emotionen wie Glück, Frieden, Geborgenheit oder Klarheit. Wovon man nicht sprechen kann – so befand der Philosoph Ludwig Wittgenstein –, darüber muss man schweigen. Und das tun auch die drei Jünger nach ihrem sehr speziellen Erlebnis auf dem Berg der Verklärung. Sie erzählen niemandem davon. Wahrscheinlich haben sie selbst lange gebraucht, um es verstehen, deuten und einordnen zu können.

Schließlich hat die seltsame Begebenheit doch ihren Weg in die Evangelien gefunden, und diese machen das einzig Richtige: Sie versteigen sich in keine überschwängliche Schwärmerei, sondern üben sich in äußerster Zurückhaltung und Nüchternheit. Sie vermeiden auch jede Erklärung oder Interpretation. Dafür wird die Überforderung des Petrus herausgestrichen, dessen hilfloses Gestammel nur zeigt: Besser, er hätte auch da geschwiegen.

Uns aber soll aus dem Abstand der Geschichte doch eine Deutung erlaubt sein. Das mystische Geschehen beginnt damit, dass Jesus betet. Und das Gebet verändert ihn. Wenn ein Mensch betet, dann verschmelzen seine menschliche und die göttliche Wirklichkeit miteinander, dann wird er von göttlicher Kraft und göttlichem Licht durchflutet. Wer betet, ist ganz gegenwärtig und damit herausgehoben aus Raum und Zeit. Vergangenes und Zukünftiges berühren einander in diesem Moment. Wer betet, erfährt Zuspruch von Gott.

 



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