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Luis Sammer, „Guter Hirte, als Mensch 
verkleidet“

Neue Schritte wagen

„Ob ihr wollt oder nicht, ihr werdet auf ein Stockerl gestellt werden“, hat uns Weihekandidaten Spiritual Bernhard Körner mitgegeben. Mit den Erwartungen, mit dem „Stockerl“, lässt sich zwar gut leben. Aber lebe ich wirklich, was ich zu verkündigen habe?

Als Neupriester wurde ich nach Hartberg gesandt, in eine ähnliche Situation wie in meiner Heimatpfarre Gleisdorf. Die Welt war in Ordnung, die Kirchen gefüllt, bei offiziellen Anlässen wurde der Priester wie selbstverständlich eingeladen und begrüßt. Ein wirklich toller Start. Die „erste Liebe“ sozusagen. Plötzlich der Eindruck: Bin ich in diesem Spiel als Diener gefragt oder als Darsteller, um eine gewisse Rolle auszufüllen, die „dazugehört“? Und Gott spielt eine Nebenrolle?

Anders die Situation im Pfarrverband Knittelfeld. Dort endete mein erstes Taufgespräch nach etwa 15 Minuten so: „Ich weiß nicht, wieso ich mit Ihnen reden soll, Herr Kaplan“, meinte der Vater, „ich möchte, dass mein Kind getauft wird. Ich bitte, das Gespräch zu beenden“, erhob sich und ging. Diese für mich ungewohnte andere Art, mit Kirche umzugehen, gab mir zu denken. Nach einigen Tagen hatte ich mich, so glaube ich, umgestellt. Diese Gegend ist geprägt von Industrie, hier waren knapp über 20 Prozent der Menschen aus der Kirche ausgetreten. Darüber hinaus war es eben ein Pfarrverband mit erst drei, dann fünf Pfarren.

Der Begriff „Pfarre“ wurde für mich zunehmend „durchlässiger“. Ich lernte zu unterscheiden zwischen einer Ordnungsstruktur, in der wir Kirche zu leben gewohnt sind, und dem Leben von Kirche, das sich in unterschiedlichen Formen abspielt, von Familie und Schule bis zu Maiandacht, Bildungswerk und Kleiderladen. Die Pfarre als „Nahversorger“ ist bedeutsam, bildet aber keineswegs die Kirche in ihrer Gesamtheit ab. Das Leben gestaltet sich heute anders als in agrarischen oder nichtmobilen Kulturen. Und: Kirche ist mehr als der Pfarrer und andere Hauptamtliche. Die Profis sind jene in ihr, die, mit dem Geist Gottes aus Taufe und Firmung ausgestattet, die Welt verändern wollen.

Klar wurde mir auch: Das Bild des Priesters muss ein anderes werden, damit er seine Aufgaben nicht bloß in Addition erfährt, sondern in Sendungsperspektive: „Nicht fünf Pfarren und das, was sich damit im Hinterkopf an Arbeit, Verwaltung etc. abspielt, sind der Zugang, sondern die Menschen, zu denen ich gesendet bin.“

Bischof Wilhelm Krautwaschl, in: Freude am Glauben. Arbeitsbuch für Christinnen und Christen von heute, Sonntagsblatt_Edition 2017.



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